die andere kleintierpraxis
Monika Roggo Tierärztin
Delsbergerallee 49 4053 Basel
079 674 60 80
Fuchsräude
Felix, 8 Jahre alt, Mischling, seit 3 Jahren bei den Besitzer.
In Frühjahr 2013 begann sich Felix vermehrt zu Kratzen. Der Juckreiz
wurde immer stärker, Felix begann auch seine Haut aufzubeissen.
Der Tierarzt wurde konsultiert und Felix wurde zuerst einmal auf eine
Futtermittelallergie behandelt; Felix bekam eine Diätfütterung
verschrieben.
Nachdem sich keine Besserung einstellte, wurde eine Blutprobe
entnommen und im Labor eine Allergie auf Hausstaubmilben und
Futtermilben festgestellt. Der Hund bekam zur Linderung des
Juckreizes Cortison verabreicht und die Injektionslösung zur
Desensibilisierung wurde bestellt.
In der Zwischenzeit wurde Felix immer mehr vom Juckreiz geplagt, die Cortisongaben brachten nicht den erhofften Erfolg
und mit dieser Vorgeschichte kam Felix Anfang Mai zu mir in die Praxis.
Felix verlor zunehmend die Freude am Spaziergang, zog sich zurück und die Erschöpfung als Folge des Juckreizes und
des Unwohlseins in seiner Haut, sowie wegen der fehlende Ruhe und Entspannung war deutlich sichtbar.
Eine Blutuntersuchung bestätigte den Verdacht auf Fuchsräude.
Eine Behandlung ist möglich, es gibt verschiedene Varianten. Felix wurde mit einem Insektizid , einem Präparat welches
öfters auch gegen Flohbefall eingesetzt wird behandelt. Zusätzlich bekam er zu Unterstützung eine Kräutermischung.
Was ist Fuchsräude
Die Fuchsräude wird von der Grabmilbe Sarcoptes scabiei verursacht.
Diese lebt in der obersten Hautschicht, wo sie sich von Zell- und Gewebeflüssigkeit ernährt. Die Weibchen bohren Gänge
in die Haut und legen ihre Eier darin ab, Männchen und Nymphen halten sich an der Körperoberfläche auf. Die Milben
sind - je nach Entwicklungsstadium und Geschlecht – 200 - 500 Mikrometer (0.2mm – 0.5mm) gross.
Die Entwicklung vom Ei bis zur adulten Milbe dauert 12-21 Tage. Die Männchen sterben nach der Kopulation ab und die
Weibchen leben 3 bis 6 Wochen in den Bohrgängen in der Haut.
Das wichtigste Symptom ist der Juckreiz. Die Haut wird schuppig, weist viele Kratzspuren auf und das Hautbild wird
durch bakterielle Sekundärinfektionen massiv verschlimmert.
Verbreitung der Fuchsräude
Ob die Fälle von Fuchsräude wieder zugenommen haben, ob mittels einer Reduktion der Füchse eine Ausrottung oder
Eindämmung der Räude erzielt werden könnte, wird zur Zeit heftigst diskutiert. Es ist nicht bewiesen, dass die Zahl der
bekannten Fälle von Fuchsräude beim Hund mit der Populationsdichte der Füchse zusammenhängt.
Immer wieder kann festgestellt werden, dass bei Fuchspopulationen, welche schon einmal von der Fuchsräude betroffen
waren, sich ein erneuter Ausbruch viel harmloser darstellt. Ob sich eine Immunität gegen die Milben aufbaut ist nicht
definitiv geklärt.
Die Milbe ist nicht streng wirtspezifisch, es können neben dem Fuchs unter anderen auch der Luchs, die Katze, Rotwild
und eben auch der Hund befallen werden. Eine Infektion beim Menschen ist grundsätzlich möglich, wird aber selten
festgestellt.
Wie infiziert sich der Hund mit der Fuchsräude?
Die Milbe kann im direkten Kontakt übertragen werden. Der aber ist – hoffentlich – zwischen Hund und Fuchs selten. Am
ehesten infiziert sich der Hund über abgeschabte Hautpartikel, die Milben enthalten.
Warum werden nicht alle Hunde krank?
Die Fuchsräude gilt als höchst ansteckend und es wird generell empfohlen, die befallenen Hunde nicht zu anderen
Hunden zu lassen und die im selben Haushalt lebenden Hunde oder Katzen gleich mitzubehandeln.
Allerdings ist auch festzuhalten, dass meistens eine gewisse Zeit vergeht bis die Diagnose Fuchsräude gestellt wird.
Wenn die Diagnose klar ist wird der erkrankte Hund sofort entsprechend behandelt. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte er
viele seiner Kollegen angesteckt haben. Das aber wird kaum einmal beobachtet. Es muss also eine gewisse Anfälligkeit,
Immunschwäche oder allgemeine Schwäche vorliegen, damit ein Hund, der mit der Sarkoptesmilbe in Kontakt kommt
auch krank wird. Es gibt auch stumme Träger, welche die Milbe mit sich rumtragen, selber aber nicht erkranken.
Eine Therapie mit Cortison oder Atopika fördert den Ausbruch zweifellos.
Es ist auch bei der Fuchsräude festzuhalten, dass bei der Erkrankung auch andere Faktoren eine Rolle spielen.
Was können Sie tun
Wichtig ist es, bei stark juckenden Hautveränderungen, die Möglichkeit der Fuchsräude im Auge zu behalten und wenn
nötig den Tierarzt auch darauf aufmerksam zu machen. Wichtig ist es auch, die Hunde gesund zu ernähren und nicht
übermässig mit Impfungen zu belasten.
Wegen der Fuchsräude auf Spaziergänge im Wald zu verzichten wäre etwa so, wie gegen die Gefahr, dass einem der
Himmel auf den Kopf fällt einen Hut zu tragen.
Felix wurde wieder gesund. Leider ist er im Herbst 2014 gestorben.
Weiterführende Links:
http://www.wildtierschutz-deutschland.de/2012/12/fuchsraude-jagd-fordert-die-ausbreitung.html
http://lexcanis.ch/wp-content/uploads/2011/03/lanat-publikationen-jagd-raeude.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Sarcoptes-R%C3%A4ude_des_Hundes
http://www.kjv-melsungen.de/dokumente/Fuchsraeude.pdf